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The real life: Nächste Ausfahrt – Verhaltenskontrolle?

 
Nun ist es also bestätigt: Auch in den niedersächsischen Filialen Hannover und Osnabrück wird die Supermarktkette “real” die umstrittene Technik des Gesichtsscannings einsetzen. Dabei wird das Gesicht der Kunden erfasst und geprüft, ob  und wie lange sie Werbeaufsteller anschauen. Außerdem wird das Alter der potentiellen Kunden geschätzt und das Geschlecht erfasst. Anders als der Bayerische Datenschutzbeauftragte sehen PIRATEN dies als schweren Eingriff in die Privatsphäre der Kunden und eine Verletzung der Grundrechte. Und damit stehen sie nicht alleine da. Auch die Datenschutzorganisation “digitalcourage” befürchtet einen weiteren Abbau der Privatsphäre und hat daher Strafanzeige gegen die Kette gestellt.  [1, 2, 3] 
 
»Die überbordende Datensammelwut im Alltag nimmt beängstigende Formen an: Konnte man bisher noch anonym einkaufen, indem man an der Kasse auf payback und bargeldlose Bezahlung (EC-Karte u.a.) verzichtete, wird nun auch das Verhalten während des Einkaufes analysiert. Und dem kann man sich nicht entziehen«, fasst Thomas Ganskow, Direktkandidat zur Bundestagswahl 2017 in Hannover-Süd, zusammen.  
 
Doch das ist erst der Anfang. Schon jetzt lassen Datenverknüpfungen zielgerichtete Werbung zu. Immer mehr Unternehmen sind daran beteiligt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die gesammelten Daten in die falschen Hände fallen oder für andere Zwecke genutzt werden.
 
»Eine Verknüpfung aller Daten kann zu Konsequenzen führen, deren mögliches Ausmaß den meisten Menschen sicher nicht bewusst ist, z.B. Erhöhung der Krankenkassenbeiträge, wegen wiederholten Einkäufen von Süßigkeiten, Wein, Pizza oder großem Interesse an koffeinhaltigen Getränken. Die Angst vor Repressalien, wie eventuell eine Erhöhung von Beiträgen wird dann zu einem neuen Verhalten der Menschen führen. Der Weg weg von der Selbstbestimmung hin zu Verhaltenskontrolle und Vollzeitüberwachung ist damit geebnet. Das darf nicht passieren!«, beschreibt Ganskow mögliche Zukunftsszenarien.
 
Auch bei der Deutschen Post AG hat diese Zukunft bereits begonnen. Eine Anfrage des Vorsitzenden der niedersächsischen PIRATEN ergab, dass dort die ebenfalls zur optimierten Kundenansprache genutzte Gesichtsanalysesoftware in rund 100 Filialen in Köln, Hamburg, Berlin und München getestet wird.
 
»Können wir eigentlich noch irgendetwas machen, ohne dass unsere Blicke analysiert, bewertet und Daten gespeichert werden?«, fragt sich Florian Lang, der die Anfrage gestellt hat. 
 
»Mittlerweile sind wir PIRATEN ständig dabei, solche Anwendungen auf Rechtskonformität zu überprüfen. Die Deutsche Post AG spricht z. B. von einer Speicherdauer von durchschnittlich 14 Tagen. Für eine derartig lange Speicherdauer gibt es keine Rechtsgrundlage. Vielmehr sollen derartige Daten nach einschlägiger Einschätzung der Datenschutzbehörden spätestens nach 72 Stunden gelöscht werden. Hier überprüfen wir gerade, welche Möglichkeiten es gibt, Anzeige wegen Verstoßes gegen das Bundesdatenschutzgesetz, § 6b Abs. 5, zu stellen«, erklärt der Vorsitzender der PIRATEN Niedersachsen das weitere Vorgehen. [4]
 
Quellen: